Spastik
Dauerhaft erhöhte Muskelspannung bei gleichzeitig verstärkter Auslösbarkeit der Reflexe. Insbesondere wenn ein Muskel aus einem gedehnten Zustand heraus bewegt werden soll, stellt sich ein starker Muskelwiderstand ein. Ist dieser überwunden, lässt sich die Bewegung leicht fortführen. (Taschenmesserphänomen). Bei Angst und Schmerzen verstärken sich die Symptome. Eine Spastik tritt in Verbindung mit Lähmungserscheinungen bei Schlaganfall, Querschnittlähmung, Schädel-Hirn-Trauma oder Multipler Sklerose auf und beruht auf einer Schädigung der Pyramidenbahn. Zur Therapie empfehlen sich krankengymnastische Übungen nach dem Bobath-Konzept und die Einnahme von Baclofen, das in schweren Fällen über eine Pumpe direkt in den Rückenmarkkanal abgegeben werden kann. Bei stark ausgeprägten Formen der Spastik verabreicht der Arzt eine vierteljährliche Injektion von Botulinumtoxin.
Spastiker
Umgangssprachlicher Ausdruck für einen Patienten, der aufgrund einer erhöhten Muskelspannung in seinen Bewegungen stark eingeschränkt ist. Dieses Krankheitsbild, das im medizinischen Bereich als Spastik bezeichnet wird, ist im Fall des "Spastikers" auf eine infantile Zerebralparese zurück zu führen. Dabei handelt es sich um eine Schädigung des Gehirns, die durch Sauerstoffmangel vor oder während der Geburt hervorgerufen wird.
Spülung
Auswaschen von Hohlorganen mit Flüssigkeit, meist mit physiologischer Kochsalzlösung. Eine Spülung erfolgt sowohl zu diagnostischen als auch zu therapeutischen Zwecken. Zu den diagnostischen Spülungen zählen: die Bauchhöhlenspülung bei Verdacht auf Blutungen im Bauchraum und die Bronchiallavage bei unklaren Lungenerkrankungen. Spülungen zu therapeutischen Zwecken sind die Ohrspülung, die Mundspülung die Darmspülung und die Augenspülung. Des Weiteren werden Spülungen eingesetzt, um Schleim aus den Nasennebenhöhlen und Blut aus der Harnblase zu entfernen. Zugesetzte Kamillentinktur oder Zytostatika verstärken die Wirkung.
Speichel (Saliva)
Geschmacks- und geruchlose Flüssigkeit, die aus den Speicheldrüsen der Mundhöhle abgesondert wird. Speichel hält die Schleimhäute der Mundhöhle feucht, schützt vor Infekten, macht den Speisebrei gleitfähig, wehrt Bakterien ab und enthält Enzyme für die ersten Verdauungsschritte von Fett und Stärke (Zungengrundamylase). Er besteht zu 99,5% aus Wasser und zu 0,5% aus Schleimstoffen und andern Stoffen wie Enzymen, Vitaminen und Antikörpern. Speichelfluss wird durch den Geruch oder Anblick von Speisen, aber auch beim bloßen Gedanken ans Essen ausgelöst. Dies entspricht der ersten Phase des Verdauungsvorgangs, der kephalen Phase. Auch ein Brechanfall kündigt sich mit gesteigertem Speichelfluss an. Übermäßiger Speichelfluss (Hypersalivation) ist zumeist krankheitsbedingt und tritt zum Beispiel bei der Parkinson-Krankheit, Botulismus und verschiedenen Mundkrankheiten auf. Verminderter Speichelfluss (Hyposalivation) äußert sich als Mundtrockenheit und ist auf Flüssigkeitsmangel oder Einnahme bestimmter Medikamente wie Psychopharmaka oder Sympatholytika zurückzuführen.
Speicheldrüsen
Gemeinhin die Drüsen, die Speichel in die Mundhöhle absondern. Neben vielen kleinen Speicheldrüsen existieren in der Mundschleimhaut drei große Speicheldrüsen, die jeweils in beiden Gesichtshälften anzutreffen sind. Die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis, Parotis) befindet sich vor dem Ohr zwischen Haut und Kaumuskel. Der von ihr abgesonderte Schleim tritt oberhalb des zweiten oberen Mahlzahns in die Mundhöhle. Er ist dünnflüssig und reich an α-Amylase, einem Enzym zur Vorverdauung von Stärke. Die ..Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis) liegt unter dem Kieferbogen an der Innenseite des Unterkiefers. Ihr Ausführungsgang endet unter der Zunge in einer Erhebung nahe des Zungenbändchens. Auch der Ausführungsgang der Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) mündet an dieser Stelle. Zusätzlich weist die Unterzungendrüse viele kürzere Ausführungsgänge beidseitig der Zunge auf. Sie befindet sich direkt auf der Mundbodenmuskulatur und produziert überwiegend Schleimstoffe. An den Zähnen nahe den Ausführungsgängen von Speicheldrüsen sammelt sich besonders leicht Zahnstein.
Im weiteren Sinne gehört auch die Bauchspeicheldrüse zu den Speicheldrüsen. Sie verfügt jedoch, im Unterschied zu den Mundspeicheldrüsen, noch über hormonproduzierende Gewebeanteile.
Speicheldrüsentumor (Sialom)
Sammelbegriff für gutartige und bösartige Geschwulste der Speicheldrüsen. Am häufigsten ist die Ohrspeicheldrüse betroffen. Das pleomorphe Adenom etwa ist ein gutartiger Tumor, der zugleich mehrere Schichten der Ohrspeicheldrüse befällt. Es entartet kaum und wächst nur langsam, sodass es erst in einem späten Stadium als einseitige Schwellung erkannt wird. Der Chirurg entfernt den Tumor, zuweilen auch die gesamte Ohrspeicheldrüse (Parotidektomie). Bösartige Speicheldrüsentumoren befallen hauptsächlich Muskel-, Binde-, Stütz- und Nervengewebe (Sarkome) und nur in seltenen Fällen Lymphknoten (Lymphome). Es bilden sich schmerzhafte Gewebewucherungen, die nur schwer gegen den Untergrund verschiebbar sind. Als Komplikation stellt sich bisweilen eine Fazialislähmung oder ein Übergriff des Tumors auf den Gehörgang ein. In der Folge müssen alle befallenen Strukturen einschließlich des Gesichtsnervs, des Gehörgangs und der benachbarten Lymphknoten entfernt werden. An die operative Behandlung schließt sich häufig eine Strahlentherapie an.
Speicherkrankheiten (Thesaurismosen)
Stoffwechselkrankheiten, bei denen Fett (Lipidose), Glykogen (Glykogenose), Kupfer (Wilson-Krankheit), Eisen (Hämochromatose) oder andere Stoffwechselprodukte im Gewebe abgelagert werden.
Speiseröhrenblutung
Austritt von Blut aus Venen und Arterien der Speiseröhre (Ösophagus). Starke Speiseröhrenblutungen rufen schwallartiges Erbrechen von Blut hervor. Schwächere Blutungen sind an einer Schwarzfärbung des Stuhls (Teerstuhl) erkennbar. Zu den Auslösern einer Speiseröhrenblutung zählen Speiseröhrenentzündungen, Speiseröhrenrisse nach heftigem Erbrechen (Mallory-Weiss-Syndrom), und geplatzte Speiseröhren-Krampfadern. Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache.
Spermatogenese
Die Bildung reifer männlicher Keimzellen, die von der Pubertät bis zum Greisenalter in den keimbildenden Epithelzellen der Hodenkanälchen stattfindet. Dabei durchlaufen die unreifen Keimzellen mehrere Zellteilungen (Meiose). Anschließend werden sie als Spermatoiden bezeichnet. Sie reifen noch weitere 60–90 Tage heran, ehe sie befruchtungsfähig sind und in die Hodenkanälchen abgegeben werden (Spermiation).
Spermienmotilität
Beweglichkeit von Spermien. Sie ist abhängig von pH-Wert, Sauerstoffkonzentration und Temperatur der Umgebung und ist wichtig für die Befruchtungsfähigkeit der Spermien.